Aktuell

24.09.2008

Organization & Leadership - Andrang auf der Intensivstation?

Infarkt, Schlaganfall, Organtransplantation - wären Wirtschaftssysteme und Unternehmen leibhaftige Patienten, so hätten die Intensivstationen im Moment wohl Hochkonjunktur.

Die Häufung der Diagnosen würde, ganz wie bei einer Epidemie,  notgedrungen den Blick auf die Anamnese lenken. Welche Umstände haben die lebenswichtigen Systeme geschwächt, woher kommen die Krankheitserreger, wie können sie isoliert und bekämpft werden?

Wie im richtigen Leben kommen hier Umwelt, Umfeld, Lebensweise und Vererbung ins Spiel. Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht, heißt es.

Insbesondere in der westlichen Welt brechen im Augenblick ehemals erfolgreich scheinende Systeme und Managementstrukturen ein. Schon werden Rufe nach Verantwortung und mehr Kontrolle laut.

Es ist ein wichtiges Kapitel in der Anamnese. Wie Verantwortung verstanden, übertragen und gelebt wird, worauf sie basiert, gibt Hinweise auf die Funktionsweisen der Systeme.

Naturgemäß birgt die Übertragung von Verantwortung auch Risiken in sich. Nur zu gern hat man immer neue Systeme und Kontrollmechanismen gefunden, um diese Risiken quasi technisch abzusichern.

Einerseits führt Verantwortung ohne wirkliche Spielräume und Entscheidungskompetenz im Zweifel zu rückversicherten Kleinstbewegungen. Andererseits ist Verantwortung sehr viel mehr als eine bloße Funktion. Sie muss verstanden, ausgefüllt und ausgeübt werden, überall und zwar menschlich und persönlich, nicht ausschließlich qua Funktion.

Leadership bedeutet auch Führung geben und Vorbild sein. Die Windschnittigkeit bis hin zur Konturlosigkeit hat ausgedient. Dieses System ist gerade dabei, sich schmerzhaft aufzulösen. Sichtbare Identität und Orientierung sind gefragt, auch als Wegweiser - so wie der Leuchtturm im Sturm Sicherheit und Leitung gibt.

Für eine Heilung muss eine Schärfung der Identität erfolgen. Es geht um die Identität der Company, der Führungsverantwortlichen und Mitarbeiter.

Der Erfolg beginnt im Innern des Unternehmens, draußen kann er dann prächtige Früchte tragen.

Das Schaffen von Konturen ist ganz ohne Reibung nicht möglich. Reibung ist nicht immer schmerzlos, sie kann aber auch Wärme erzeugen und vor allem Neues erschaffen.

Sich auf eine stabile Bank setzen zu wollen ist das eine. Zu diskutieren statt das Stück Holz zu bearbeiten, ist die andere Seite der Medaille.

Dieser Idee geschuldet, ist mancherorts ein Meeting inzwischen nicht mehr nur eine Besprechung sondern eine gemeinsame Umformung des angesprochenen Holzstückes. Hier entstehen Kreativität und Innovation, auch weil mit der Identität die Verantwortung eines jeden Einzelnen Einzug halten durfte.

Am Ende ist es wie beim Intensivpatienten: Nach erfolgreicher Behandlung und entsprechend positiver Veränderung der „Lebensumstände“ kann ein langes, beschwerdefreies und glückliches Leben folgen.

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